Account of a Journey


England vs. Germany
27. Juni 2010, 7:52 nachmittags
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„Sport enhances the understanding between different nations. But still, when Germany wins on Sunday, pretend that you are French”. „You want to watch the match in a pub? Well, you can go. But be aware that your knowledge of the colourful English language will increase.”

Zusammenfassend wollten unsere Kollegen damit wohl das ausdrücken, was wir die letzten Wochen schon erfahren hatten. Während einer WM ist in England nichts wichtiger als Fußball – und nichts verhasster als die Deutschen. Für das letzte Englandspiel wurden Schüler früher von der Schule nach Hause geschickt, Läden geschlossen, Unternehmen haben die Spiele für Mitarbeiter auf Leinwände übertragen. Dass dann noch England auf Deutschland trifft, war für die fußballbegeisterte Nation geradezu ein Traum. Der Erzfeind. In den letzten Tagen drehte sich alles um Fußball und darum, wieso die Deutschen verlieren, keine Chance haben und im sowieso Gesamten schlecht sind.

In einem Anflug von Mut haben wir trotz allem beschlossen, dass Spiel in einem Pub zu schauen. So manche unserer mitfühlenden Kollegen hatten uns abgeraten, weswegen wir zeitweise Zweifel an unseren Plänen hatten.

Nun kann ich sagen. Wir haben überlebt. Und gewonnen! Verdient gewonnen. Man soll es nicht glauben, aber in einem englischen Pub zu sitzen, umringt von Engländern (männlich, im rot-weißen Trikot) war doch nicht immer lustig. Unser Plan, erstmal die Stimmung abzuwarten, uns nicht als Deutsche zu offenbaren, klappte anfangs ganz gut. Allerdings war dann zwischen all den eingefleischten Englandfans es doch recht auffällig, dass da zwei etwas unbeteiligte Menschen sitzen, die prinzipiell nicht im richtigen Moment jubeln. Spätestens nachdem das „zweite Wembley-Tor“, wie sie es so schön in Anlehnung an die WM 1966 nannten, fiel, wurden wir etwas nervös. Glücklicherweise musste es selbst den Engländern nach dem dritten deutschen Tor bewusst werden, was viele schon vorhergesagt, aber nicht glauben wollten: Deutschland spielte besser. Im Laufe der Zeit leerte sich der Pub merklich. Mit Tränen in den Augen verließen viele den Ort der Blamage. Gerechterweise muss man allerdings sagen, dass ich nie zuvor so faire Fußballfans getroffen habe. Die Niederlage wurde anerkannt und eher die eigene Mannschat – allen voran der unbeliebte Trainer – kritisiert, als die, zu dem Zeitpunkt schon sehr eingeschüchterten Deutschen beschimpft.

Trotzdem werde ich die nächsten deutschen Spiele etwas entspannter genießen können.



Feueralarm!
9. Juni 2010, 9:53 nachmittags
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Eines der wichtigsten Wörter, die man in England lernen wird, sobald man die Insel betritt, ist Health and Safety. Jeder, der schon einem längere Zeit in England verbracht hat, wird wissen, dass dies ein Begriff ist, den jedes englische Kind noch vor Mum and Dad sagen kann. Es gibt tausende und abertausende von Regeln, Vorschriften und Anordnungen, die man befolgen muss um sicher zu bleiben und möglichst jede unvorhersehbare Situation zu vermeiden.
Eine Regel unserer Schule besagt: Bei Feueralarm in den Kräutergarten. Da Uli und ich schon das letzte Mal nicht schnell genug an diesem Sammelpunkt eingetroffen sind und uns dafür eine Rede über Sicherheit anhören mussten, waren wir heute recht schnell. 18.13 waren wir dort. Einige Minuten später haben wir beschlossen, dass es langweilig wird. Niemand da außer uns. Natürlich, die Schule ist verlassen. Aber der Hausmeister wohnt hier. Als Ablenkung, immer noch mit dem Dröhnen des Feueralarms in den Ohren, beschließen wir „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu spielen. Da sitzen also zwei erwachsene Frauen im Kräutergarten und vertreiben sich so die Zeit. So gegen 18.30 wird es uns schließlich doch zu blöd. Wir klingeln beim Hausmeister. Erfolglos. Zurück in unserer Wohnung finden wir alles unverändert vor. Das Piepsen macht einen fast schwerhörig.
Die einzige Lösung, die wir sehen, ist, den Hausmeister anzurufen. In der – vergeblichen – Hoffnung, dass der Feueralarm in der Schule nicht ganz so ohrenbetäubend ist, begeben wir uns dort hin. Ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen: Es ist nicht leicht, mit einem nuschelnden Engländer zu sprechen während im Hintergrund der Feueralarm dröhnt. Außerdem kann ich sagen: Es ist nicht schön, wenn man sich beschwert, dass der Feueralarm seit einer knappen halben Stunden unseren ruhigen Abend stört, man dann aber, mehr als nur peinlich berührt, dem Hausmeister erklären muss, dass auf dem Kontrollkasten steht, dass der Feueralarm in seiner eigenen Wohnung ausgelöst wurde. Richtig peinlich wird es dann erst, wenn sich herausstellt, dass man mehr oder minder unfähig ist, diesen Feueralarm auszustellen und dafür ungefähr eine Viertel Stunde braucht, in der der inzwischen leicht genervte Hausmeister versucht im Sainsbury’s einzukaufen.
Nächstes Mal werden wir wohl versuchen, etwas rauchfreier zu kochen. Vielleicht auch um das Gespött der gesamten Belegschaft der Schule am nächsten Tag zu vermeiden.



Cornwall
6. Juni 2010, 3:54 nachmittags
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Zum ersten Mal sitze ich hier und weiß nicht, was ich schreiben soll. So viel könnte ich erzählen. Über die wunderschöne Küste, steilen Hänge und ewigen Sandstrände, an der wir sieben Tage entlang gelaufen sind. Über die Wildheit und Gleichzeitig Schönheit der Felsen und Klippen, die sich gegen das Türkis des Atlantiks abheben. Ich könnte schwärmen darüber, dass wir all das bei warmen, sonnigem Wetter genießen durften. Könnte in Erinnerungen schwelgen darüber, wie wir im Freilufttheater saßen, Jesus Christ Superstar geschaut haben, direkt am Meer, mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren und dem Blick, der über den Atlantik schweifen konnte. All die Eindrücke, die man am liebsten festhalten und konservieren würde. Das Gefühl am Ende eines Tages, angekommen zu sein. Der Stolz am Ende all die Kilometer zurückgelegt zu haben. Die Sonnenbrände, Blasen und schmerzende Muskeln überlebt zu haben.

So viel haben wir gesehen. Erlebt. In uns aufgesogen.

Sprachlos.




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