Account of a Journey


Frühlingsanfang in England oder „Raindrops keep falling on my head…“
25. Mai 2010, 7:42 nachmittags
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Mein Traum vom englischen Frühling war – man muss es ehrlich sagen – etwas zu optimistisch, aber meiner Meinung nach doch nicht ganz weltfremd. Nette 20°C, Sonnenschein, gelegentlich Regen.

Nach einem gefühlten ewigen Winter hatte ich mich danach gesehnt. Nach Wärme und Sonne gelechzt wie niemals zuvor. Nun…offiziell hätte der Frühling am 20. März beginnen sollen. Bis Anfang letzter Woche hatten wir eher Winter als Frühling. Ja, es gab schon einige Blümchen, die es gewagt hatten, zu wachsen und zu sprießen, aber Nein, Frühling war es nicht. Nach meiner Definition ist Frühling eben nicht, mit Schal herumzulaufen. Der einzige Grund, wieso ich meine Winterjacke nicht anhatte, war wohl die Tatsache, dass sich dieser seit Ende April in Deutschland befindet.

Allerdings, wie ich immer wieder feststellen muss, sind die Engländer immun gegen all das, was bei mir in letzter Zeit eher schlechte Laune und Verdruss verbreitet hat. Selten zuvor habe ich Menschen gesehen, die entweder bei 10°C und strömendem Regen mit Flipflops herumlaufen und dabei noch nicht mal so aussehen, als ob sie frieren würden oder Menschen, die bei eben diesem Wetter kurvenförmig und mit scheinbar hervorragender Laune durch die Wälder fahren und dabei lautstark „Raindrops keep falling on my head…“ singen. Eine Einstellung die ich seit ungefähr neun Monaten versuche mir abzuschauen und anzunehmen. Mit begrenztem Erfolg.

Aber nachdem dieses Wochenende die 20-Grad-Marke auch deutlich überschritten wurde, dachte ich, hätte ich auch nun endgültig keinen Grund mehr, mich nicht von schlechtem Wetter negativ beeinflussen zu lassen und auch keinen Grund, mir diese Attitüde der Engländer anzueignen. Meine Laune ist gestiegen, das gute Wetter hat uns in den letzten Tagen nicht nur einmal hinausgezogen, um ein Abendessen oder ein Sonntagsfrühstück auf wunderschön grünen Wiesen in unserer Umgebung zu verbringen.

Schade nur, dass ab morgen die Temperaturen hier wieder nur knapp über 10°C liegen werden. Aber dann habe ich immerhin wieder die Möglichkeit, etwas von den Engländern zu lernen. Eine neue Chance, dem allem mit einem Lächeln auf den Lippen zu begegnen und mich umso mehr darüber zu freuen, wenn wieder ein paar Tage kommen werden, an denen man auch mit einem T-Shirt draußen nicht frieren muss.



Wahlen in England
13. Mai 2010, 1:27 nachmittags
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In vieler Hinsicht war diese Wahl einzigartig. Etwas überraschend für einen Deutschen an den Wahlen in England ist wohl die Tatsache, dass nicht sonntags gewählt wird, sondern an jedem beliebigen Wochentag, vorwiegend an einem Donnerstag. Die durchaus plausible Erklärung, die man mir für dieses Phänomen gab, ist: Unter der Woche ist jeder Bürger in Großbritannien. Jeder ist fähig zu wählen, da die Wahllokale bis 22.00Uhr offen haben und man auch das gesetzlich festgelegte Recht hat, sich von der Arbeit befreien zu lassen um wählen zu gehen. Wunderbar. Blöd nur, wenn der Andrang auf die Wahllokale genau bei dieser Wahl, die als eine der wichtigsten in der Geschichte des Vereinigten Königreiches gehandelt wird, so groß ist, das bei Schließung der Wahllokale nicht alle dazu fähig waren zu wählen. Das sollte der erste Skandal der diesjährigen Wahl des Unterhauses in England werden. Es ist auch etwas verwunderlich, wenn Wähler an der Tür abgewiesen werden, aufgrund von „Schließungszeiten“ und „zu großem Andrang“, noch verwunderlicher wenn an so manchen Orten, junge Menschen dazu aufgefordert wurden, den älteren Wählern den Vortritt zu lassen.

So weit so gut. Das Wahlergebnis. Überraschenderweise hat die Grüne Partei erstmals Abgeordnete im Unterhaus. Davon abgesehen ist das Wahlergebnis wenig überraschend, auch wenn es nun so einigen Wirbel verursacht. Es gibt keine klare Mehrheit eine der Parteien. David Cameron liegt mit den Konservativen vorne, gefolgt von Gordon Brown und als Schlusslicht Nick Clegg mit seinen Liberaldemokraten, denen jetzt überproportional viel Macht zukommt, da es an ihnen liegt, zu entscheiden, mit welcher anderen Partei sie eine Koalition eingehen. Ein „Hung Parliament“ wie es die Briten nennen gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Vielleicht stellte es alle Beteiligten deswegen vor solch eine große Herausforderung, eine Koalition zu bilden. Laut Wahlrecht hätte nun Gordon Brown, als bis gestern amtierender Premierminister das Anrecht auf den ersten Versuch der Regierungsbildung gehabt, allerdings hat er das Feld den Konservativen überlassen und ist als Premierminister zurückgetreten, wodurch nun David Cameron als solcher hervorgeht. Nach fünf Tagen, die von dem meisten Briten als sehr quälend eingeschätzt wurden, ist auf der Insel wieder alles in Ordnung. Die älteste Demokratie der Welt hat wieder einen Führer. Der Erfolg und auch die Beliebtheit Camerons ist jedoch fraglich. Mit einer größeren Staatsverschuldung als Griechenland, ist die Hauptaufgabe Schuldenabbau. Das wird dem sowieso schon gebeutelten Vereinigten Königreich wohl noch weh tun!




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