Account of a Journey


Reisebericht III
29. April 2010, 5:41 nachmittags
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Unsere dritte längere Reise sollte nach Belfast gehen. Ein paar Tage die Stadt und auch die Küste Nordirlands erkunden. Eine wunderbare Idee, wie sich herausstellen sollte. Seltsamerweise klappte unser Hinflug problemlos, so dass wir die ersten Tage in Belfast genießen konnten, mit einer Besichtigung des eindrucksvollen Rathauses sowie der Titanic-Docks, Erkundung der lebhaften Innenstadt und Besuch des wunderschönen Schlosses. Bei wunderbarem Wetter waren wir wirklich fasziniert von dieser Stadt. Gerade von ihrer Gegensätzlichkeit, die wir erleben durften, als wir uns in einige der „Problemviertel“ Belfasts aufgemacht, in denen noch vor wenigen Jahren Protestanen und gegeneinander gekämpft haben. Die Überbleibsel sind sogenannte Murals, Gemälde an Hauswänden, die nicht nur politische Richtung ausdrücken, sondern auch von der großen Gewalt zeugen. Außerdem spürt man eine unangenehme Spannung. Unglücklicherweise fehlte unserem Stadtplan genau der Teil Belfast, so dass wir Schwierigkeiten hatten, wieder aus dem Labyrinth aus Straßen und Mahnmalen herauszufinden. Zugegebenermaßen fühlt man sich nicht sicher. All die wehenden irischen und britischen Fahnen, Brandstellen von Mülleimern, Stacheldraht und große Tore, die nachts verschlossen werden geben einem ein Gefühl von Unwohlsein, von Unsicherheit und Bedrohung, was ich in diesem Ausmaß zuvor noch in keiner Stadt erfahren habe. Erschreckend vor allem, wenn man weiß, dass einerseits vor wenigen Jahren mehr britische Soldaten in Nordirland waren als jetzt in Afghanistan, andererseits nur wenige Straßen weiter eine scheinbar normale Stimmung in der Stadt herrscht. Trotzdem, auch dort sind die Probleme noch deutlich sichtbar. Neue Mülleimer, die erst seit letztem Jahr offiziell in Belfast stehen dürfen, da man hofft, dass nun die Gefahr von Bomben vorüber ist. Trotzdem, alleine während unseres Aufenthalts sind in Nordirland zwei Autobomben in die Luft gegangen. Seltsamerweise von der Öffentlichkeit scheinbar größtenteils unbemerkt.

Den Gegensatz zu dieser Stadt, fanden wir an der Nordküste Irlands. Wilde Natur, Felsen, Schafe und der Atlantik. Eines unserer Ziele war Giant’s Causeway. Um der Sage Glauben zu schenken, gab es vor vielen Jahren zwei Riesen. Einer der beiden sesshaft in Schottland, der andere in Nordirland. Beide mit dem Gedanken, des anderen Territorium zu erobern. Nachdem der nordirische Riese sich heimlich durch das Meer in Richtung Schottland aufgemacht hatte und einen Blick auf den dortigen Riesen erhaschen konnte, kehrte er voller Schrecken zurück. So groß hatte er sich den schottischen Riesen nicht vorgestellt. Verzweifelt fragt er seine Frau um Rat, die ihn in eine Kinderwiege legt. Mit der Intention, Nordirland zu erobern, kommt daraufhin der schottische Riese Nordirland und findet das angebliche Kind in der Wiege. Wie groß muss erst der nordirische Riese sein, wenn schon das Kind so groß ist? Verängstigt kehrt er daraufhin überstürzt nach Schottland zurück, wobei an der nordirischen Küste Felsen abbrechen und in den Atlantik fallen. Eine schöne Geschichte, eine noch schönere Landschaft.

Außerdem habe ich es geschafft, meine Höhenangst zu überwinden und über eine, meiner Meinung nach viel zu großen Seilbrücke zu spazieren. Das lockere Spazieren war bei mir eher ein verkrampftes Hangeln, aber immerhin ich habe es geschafft.

Wäre uns bewusst gewesen, dass sich durch den Ausbruch eines Vulkans und die darauffolgende Flugsperre für das gesamte Vereinigte Königreich, die Länge unseres Urlaubs fast verdoppelt, hätten wir unsere doch sehr durchgeplante Tage etwas entzerren können. Positiv sehen! So hatten wir einige Tage, an denen wir absolut nichts mit uns anzufangen wussten. Dermaßen ruhige Tage hatte ich seit meiner Ankunft in Großbritannien bisher noch nicht.

Also…wunderbarer Urlaub!



Ich hasse große Rauchwolken…
19. April 2010, 10:42 vormittags
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Unter normalen Umständen hätte ich gesagt, das alles ist doch ein riesiges Drama, das im Endeffekt sowieso nur eine Minderheit interessiert. Ich meine, wir haben super Wetter, von Asche nichts zu sehen und auch sonst. Alles ist normal. Wenn man allerdings selbst zu der kleinen Minderheit gehört, die davon betroffen ist, dass – um es genau zu nehmen – der südisländische Vulkan Eyjafjallajoekull, kontinuierlich Asche ausspuckt und damit fast den gesamten europäischen Flugverkehr lahmlegt, nein, dann ist nicht alles normal. Aus einem Kurzurlaub in Belfast, aus dem ich am Samstagmorgen nach London zurückkehren wollte, wurde ein etwas verlängerter Urlaub, der – in Anbetracht der Tatsache, dass mein Flug am Dienstagmorgen wiederum gecancellt wurde – sich doch zu einem durchaus langen Aufenthalt in einer, zugegeben, schönen Stadt verlängert. In der Theorie wäre das kein Problem. Aber wenn man eigentlich heute arbeiten müsste, am Freitag nach Deutschland fliegen will und auch sonst relativ viel zu erledigen hätte, dass man leider aus Belfast nicht machen kann, dann ist es schon ein bisschen störend.

Aber gut, verdrängen wir den Egoismus. Tausende von Menschen in Afrika fürchten um ihren Job. Die Kühlhallen stehen voll mit Obst, Gemüse und Blumen für Europa. Außerdem, unter den 6,8 Millionen Reisenden, die insgesamt betroffen sind, ist mein kleine Wenigkeit wohl relativ unbedeutend. All die Berichte von Menschen, die in fernen Ländern festsitzen, nicht zu Beerdigungen, Hochzeiten oder sonstigen Treffen können, drücken vielleicht etwas zu übetrieben auf die Tränendrüsen, sind aber letztendlich für sich kleinen Dramen. Vielleicht hat das die britische Regierung dazu veranlasst, darüber nachzudenken, die 150 000 gestrandeten Britten mit Hilfe der Royal Navy einzusammeln. Die Sinnhaftigkeit lässt sich nun hinterfragen. Ähnlich wie der Vorschlag Spaniens, die dorten Flughäfen als Ankunfsthalle für alle festsitzenden Urlauber zu nehmen, um sich von dort dann mit Zug, Bus oder Boot weiter zu seinem Heimatland durchzuschlagen.

Auch wir hatten überlegt, mit Fähre und Zug zurück zu kommen, was uns aber nicht nur viele Nerven und eine Gesamtreisezeit von knapp 15 Stunden kosten würde, sondern auch 300 Pfund. Eine kurze Anekdote hierzu: Vier Londoner Geschäftsreisende haben beschlossen, aufgrund der Tatsache, dass alles Fähren überteuert und vor allem auch ausgebucht sind, ein Taxi von Belfast nach London zu nehmen, was sie zusammen 700 Pfund gekostet hat, womit sie nicht nur schneller, sondern auch billiger zurück in London waren.

Nunja…die Schlussfolgerung? Lieber sicher am Boden als unsicher in der Luft. Wobei man auch ehrlich fragen muss: Belfast? Diese Stadt wäre mir unter der Betrachtung des Sicherheitsaspektes wohl auch nicht zu als erstes eingefallen.




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