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Dem Stress entkommen und eine Auszeit nehmen. Das war unser Plan. Er ist zu 100% aufgegangen. Glücklicherweise. Nun, das soll heißen, wir hatten eine Woche Urlaub, den wir in Nordwestengland verbracht haben. Einer Gegend, die dafür bekannt ist, von Arbeitslosigkeit und vor allem einem hässlichen Akzent gebeutelt zu sein. Den Akzent kann man unschwer überhören, wenn man schon im Bus mit seltsamen Wörtern konfrontiert wirt. Man muss sich das so vorstellen. Die Nordengländer haben einen gewissen Hang dazu, viele Wörter so auszusprechen, wie es ein unfähiger, nichtenglischsprechender Deutscher machen würde. Das trifft vor allem auf Wörter wie Pub, funny und up zu. U bleibt U. Und das klingt aus dem Munde eines Engländers richtig beschissen.
Soweit zu der etwas stockenden Konversation mit unseren Nachbarn im Norden.
Wobei, stockende Konversation? Kann man so auch nicht sagen. Schon in unserer ersten Station unserer Reise, in Liverpool, wurden wir in unserem heruntergekommenen Youth Hostel von merkwürdigen Dingen rauchenden Menschen in tiefsinnige Gespräche über die Bauweise deutscher Autos verwickelt. Nach inzwischen einigen Erfahrungen in solch freundlich anmutenden Youth Hostels muss ich sagen, ich mag es. Nirgendwo sonst lernt man solch nette und offene Leute kennen. Aber dazu waren wir eigentlich nicht in Liverpool. Unsere Intention war vielmehr, all das zu sehen, was man in Liverpool sehen kann. Wir haben uns also durch China Town zu den Albert Docks gekämpft. Haben die moderne Innenstadt und den restaurierten Pier bewundert. Sind durch die königliche Konzerthalle und das kulturelle Zentrum mit all den Museen, Gallerien und Bibliotheken gewandelt. Haben die Kathedralen bestaunt und konnten trotz all des Prunks und Glanzes, all der Modernität und dem scheinbaren Reichtum auch die andere Seite Liverpools kennenlernen. Liverpool als vergangene Industriestadt. Wenn man sich von den touristischen Highlights entfernt, entdeckt man die Probleme, mit der die Stadt zu kämpfen hat: Arbeitslosigkeit und Gewalt. Durch den Niedergang der Schifffahrt und dem damit verbunden Verlust des Hafens, hat Liverpool als Industriezentrum deutlich an Wichtigkeit verloren. Ganze Viertel stehen leer. Zeugen der Flucht vor Arbeitslosigkeit und Armut. Wie Geisterstädte, unbewohnt und verlassen.
Liverpool orientiert sich erfolgreich um. Von der Industriestadt, hin zur Kulturstadt. Überall Kunstgallerien, kleine Theater in Hinterhöfen, eine blühende alternative Szene.

Uns trieb es trotzdem weiter. Southport. Eine kleine, typisch englische Badestadt mit nichts außer dem Meer. Aber das hat uns gereicht. Ausgedehnte Spaziergänge, lange Schlafen, gutes Essen und noch bessere Gespräche. Wundervoll. Da kommt einem der Gedanke, ob es nicht besser wäre, genau dort zu wohnen? An einem Ort mit Meer, in einer riesengroßen Wohnung mit toller, moderner Küche. Aber würde ich das wirklich wollen? Nach einem Jahr England nach Deutschland zu kommen und ein Englisch zu sprechen, das keiner verstehen kann? Nein, da wohne ich doch lieber an einem Ort, an dem sich die meisten Menschen selbst als upper class bezeichnen und über diejenigen, die dieser nicht angehören, lästerlich äußern. Wenn man sich das so anhört, klingt das gemein. Aber man muss bedenken. Tunbridge Wells ist der Inbegriff aller Englischhaftigkeit, der stereotype Engländer wohnt und arbeitet hier und vor allem, spricht das südliche Englisch. Nun, zurück zum Thema. Das Problem ist einfach, dass man inzwischen verwöhnt ist. Die trinkenden Kinder, die man überwiegend im Nordwesten Englands sieht, die mit 16 Jahren schwanger sind und spätestens mit 20 merken, dass etwas falsch gelaufen ist. Das ist schockierend. Eine gesamte Generation, die keinerlei Hoffnung hat, keinerlei Perspektive.
Dieses erschreckende Problem lässt sich wahrscheinlich in jeder etwas größeren Stadt im Nordwesten England wiederfinden, somit auch in Preston, der typischen englischen Industriestadt. Preston ist eigentlich hässlich und hat außer einem sehr ausgeprägtem Nachtleben nichts zu bieten. Aber auch hier stand im Vordergrund, Freunde zu besuchen, nicht die Stadt zu bewundern. Ziel erreicht. Es ist seltsam, wie man sich kaum sieht, eine große Entfernung zwischen einem liegt und man doch zusammenwächst, ja geradezu zu Freunden wird.
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shUt the fUck Up with fUnny accent
Kommentar von thomas 22. März 2010 @ 5:55 pm