Account of a Journey


Pferderennen
5. Juli 2010, 10:51 pm
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Eines unserer Ziele in England war ein Pferderennen zu besuchen, möglichst Ascot. Das traditionsreichste Pferderennen, erstmals 1711 etabliert und immer noch unter der Schirmherrschaft des englischen Königshauses. Relativ schnell mussten wir feststellen, dass dieser Wunsch für uns doch etwas zu ambitioniert war. Preislich hat das nicht ganz mit unseren Vorstellungen und unserem Leben als armer Freiwilliger übereingestimmt.

Unser Plan B war Brighton Racecourse. Eine wunderschöne Pferderennbahn, mit Blick auf das Meer und wunderschönem englischen Rasen.

Einzige Herausforderung war nur noch der Dresscode. Man kann unmöglich ohne Hut auf ein englisches Pferderennen gehen. Das hat uns doch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Immerhin sind wir dabei, unsere Klamotten nach Deutschland zu schaffen. Da hat man nicht einfach mal das perfekte Kleid mit den perfekten Schuhen und vor allem DEM Hut. Als unsere Rettung sollte das Kostümdepartment der Schule herhalten. An sich eine super Idee. Passende Kleidung, schicke Schuhe und vor allem eine riesige Auswahl an Hüten. Unser an sich perfekter Plan B hatte nicht mit eingeplant, dass unsere Schule überwiegend Mädchen im Alter von 12 bis 16 beherbergt und diese etwas kleiner sind als wir. Daher sollte es darauf hinauslaufen, dass wir eher ungewöhnlich modern und unkonventionell zu unserem ersten Pferderennen gehen sollten. Keinerlei Ahnung von Pferderennen, Pferdewetten oder Pferden überhaupt. Dafür aber mit einem übermäßig großen Selbstbewusstsein – was wir aufgrund unserer Kleidung auch brauchten. Selten war ich so glücklich, mich hinter einer Sonnenbrille verstecken zu können. In der festen Überzeugung, dass es zu unserem Image passen würde, möglichst zu schweigen und, wenn überhaupt, leicht zu lächeln, verbrachten wir also die meiste Zeit zwischen den Rennen in bedächtigem Schweigen. Zu unserem Vorteil höchstwahrscheinlich, weil jeder der entweder hochreichen Herren, die sich an ihr Champagnerglas festklammerten oder spielsüchtigen Gestalten, die vor den Bildschirmen festhingen, in dem Moment, in dem wir unseren Mund aufgemacht hätten, realisiert hätten, dass wir absolut kein Wissen über irgendetwas haben, was auch nur annähernd mit der Situation zu tun hatte, in der wir uns befanden. Aber wie gesagt. Schweigen und lächeln. Darin waren wir recht gut.

Unser Glanzmoment sollte allerdings noch kommen. Nach einigen Rennen hatten wir erkundet, wie man wettet. Und was ist ein Pferderennen oder Wetteinsatz? Das wäre ähnlich wie ein Pferderennen ohne Hut. Und daher Nichts. Mutig, hinter der Sonnenbrille versteckt, den Hut tief in die Stirn gezogen, wagte ich mich an die nette Dame hinter dem Schalter heran um leise, kaum verständlich zu fragen, was der geringste Wetteinsatz wäre. Man kann bei einem Pferderennen so ziemlich auf alles wetten, das hatten wir herausgefunden. Für uns blutige Anfänger gab es allerdings nur eine Option: Darauf setzte, dass ein bestimmtes Pferd gewinnt. Relativ simple. Allerdings wird die Sache dadurch stark erschwert, dass man auf jedes Pferd setzten kann, denn als blutiger Anfänger kann man leider weder mit den Namen der Pferde, noch Jockeys, noch Rennställe etwas anfangen. Da helfen auch keine Kurzbeschreibungen. Aber man lässt sich ja in seinen Entscheidungen durch so einiges beeinflussen. Für uns war es die deutsche Nationalmannschaft. 0:4 gegen Australien, 4:1 gegen England, 4:0 gegen Argentinien.

Mit dem Mindesteinsatz – dafür mit einem riesengroßen Stolz – in zwei verschiedenen Rennen jeweils auf die 4. Und was soll man sagen? Trotz anfänglicher Probleme unserer Pferde – das eine wollte nicht aus seiner Startbox rauskommen, das andere gar nicht erst rein – haben wir zweimal gewonnen. Gut, eigentlich haben die Pferde gewonnen. Oder sollte ich sagen, die Jockeys oder die Reitställe? Keine Ahnung. So weit hat sich mein Wissen nicht erweitert. Ich kann nur sagen, dass die Herren neben uns verloren haben, mit ihrem Wetteinsatz von 500 Pfund, so weit ging mein Verständnis von dem allem. Und ich kann sagen, dass wir sicherlich, wenn auch, mit Kleidern aus dem Kostümdepartment und keinerlei Wissen über Pferderennen, die ungewöhnlichsten Besucher, gleichzeitig die fröhlichsten und glücklichsten an diesem Tag waren.



England vs. Germany
27. Juni 2010, 7:52 pm
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„Sport enhances the understanding between different nations. But still, when Germany wins on Sunday, pretend that you are French”. „You want to watch the match in a pub? Well, you can go. But be aware that your knowledge of the colourful English language will increase.”

Zusammenfassend wollten unsere Kollegen damit wohl das ausdrücken, was wir die letzten Wochen schon erfahren hatten. Während einer WM ist in England nichts wichtiger als Fußball – und nichts verhasster als die Deutschen. Für das letzte Englandspiel wurden Schüler früher von der Schule nach Hause geschickt, Läden geschlossen, Unternehmen haben die Spiele für Mitarbeiter auf Leinwände übertragen. Dass dann noch England auf Deutschland trifft, war für die fußballbegeisterte Nation geradezu ein Traum. Der Erzfeind. In den letzten Tagen drehte sich alles um Fußball und darum, wieso die Deutschen verlieren, keine Chance haben und im sowieso Gesamten schlecht sind.

In einem Anflug von Mut haben wir trotz allem beschlossen, dass Spiel in einem Pub zu schauen. So manche unserer mitfühlenden Kollegen hatten uns abgeraten, weswegen wir zeitweise Zweifel an unseren Plänen hatten.

Nun kann ich sagen. Wir haben überlebt. Und gewonnen! Verdient gewonnen. Man soll es nicht glauben, aber in einem englischen Pub zu sitzen, umringt von Engländern (männlich, im rot-weißen Trikot) war doch nicht immer lustig. Unser Plan, erstmal die Stimmung abzuwarten, uns nicht als Deutsche zu offenbaren, klappte anfangs ganz gut. Allerdings war dann zwischen all den eingefleischten Englandfans es doch recht auffällig, dass da zwei etwas unbeteiligte Menschen sitzen, die prinzipiell nicht im richtigen Moment jubeln. Spätestens nachdem das „zweite Wembley-Tor“, wie sie es so schön in Anlehnung an die WM 1966 nannten, fiel, wurden wir etwas nervös. Glücklicherweise musste es selbst den Engländern nach dem dritten deutschen Tor bewusst werden, was viele schon vorhergesagt, aber nicht glauben wollten: Deutschland spielte besser. Im Laufe der Zeit leerte sich der Pub merklich. Mit Tränen in den Augen verließen viele den Ort der Blamage. Gerechterweise muss man allerdings sagen, dass ich nie zuvor so faire Fußballfans getroffen habe. Die Niederlage wurde anerkannt und eher die eigene Mannschat – allen voran der unbeliebte Trainer – kritisiert, als die, zu dem Zeitpunkt schon sehr eingeschüchterten Deutschen beschimpft.

Trotzdem werde ich die nächsten deutschen Spiele etwas entspannter genießen können.



Feueralarm!
9. Juni 2010, 9:53 pm
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Eines der wichtigsten Wörter, die man in England lernen wird, sobald man die Insel betritt, ist Health and Safety. Jeder, der schon einem längere Zeit in England verbracht hat, wird wissen, dass dies ein Begriff ist, den jedes englische Kind noch vor Mum and Dad sagen kann. Es gibt tausende und abertausende von Regeln, Vorschriften und Anordnungen, die man befolgen muss um sicher zu bleiben und möglichst jede unvorhersehbare Situation zu vermeiden.
Eine Regel unserer Schule besagt: Bei Feueralarm in den Kräutergarten. Da Uli und ich schon das letzte Mal nicht schnell genug an diesem Sammelpunkt eingetroffen sind und uns dafür eine Rede über Sicherheit anhören mussten, waren wir heute recht schnell. 18.13 waren wir dort. Einige Minuten später haben wir beschlossen, dass es langweilig wird. Niemand da außer uns. Natürlich, die Schule ist verlassen. Aber der Hausmeister wohnt hier. Als Ablenkung, immer noch mit dem Dröhnen des Feueralarms in den Ohren, beschließen wir „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu spielen. Da sitzen also zwei erwachsene Frauen im Kräutergarten und vertreiben sich so die Zeit. So gegen 18.30 wird es uns schließlich doch zu blöd. Wir klingeln beim Hausmeister. Erfolglos. Zurück in unserer Wohnung finden wir alles unverändert vor. Das Piepsen macht einen fast schwerhörig.
Die einzige Lösung, die wir sehen, ist, den Hausmeister anzurufen. In der – vergeblichen – Hoffnung, dass der Feueralarm in der Schule nicht ganz so ohrenbetäubend ist, begeben wir uns dort hin. Ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen: Es ist nicht leicht, mit einem nuschelnden Engländer zu sprechen während im Hintergrund der Feueralarm dröhnt. Außerdem kann ich sagen: Es ist nicht schön, wenn man sich beschwert, dass der Feueralarm seit einer knappen halben Stunden unseren ruhigen Abend stört, man dann aber, mehr als nur peinlich berührt, dem Hausmeister erklären muss, dass auf dem Kontrollkasten steht, dass der Feueralarm in seiner eigenen Wohnung ausgelöst wurde. Richtig peinlich wird es dann erst, wenn sich herausstellt, dass man mehr oder minder unfähig ist, diesen Feueralarm auszustellen und dafür ungefähr eine Viertel Stunde braucht, in der der inzwischen leicht genervte Hausmeister versucht im Sainsbury’s einzukaufen.
Nächstes Mal werden wir wohl versuchen, etwas rauchfreier zu kochen. Vielleicht auch um das Gespött der gesamten Belegschaft der Schule am nächsten Tag zu vermeiden.



Cornwall
6. Juni 2010, 3:54 pm
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Zum ersten Mal sitze ich hier und weiß nicht, was ich schreiben soll. So viel könnte ich erzählen. Über die wunderschöne Küste, steilen Hänge und ewigen Sandstrände, an der wir sieben Tage entlang gelaufen sind. Über die Wildheit und Gleichzeitig Schönheit der Felsen und Klippen, die sich gegen das Türkis des Atlantiks abheben. Ich könnte schwärmen darüber, dass wir all das bei warmen, sonnigem Wetter genießen durften. Könnte in Erinnerungen schwelgen darüber, wie wir im Freilufttheater saßen, Jesus Christ Superstar geschaut haben, direkt am Meer, mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren und dem Blick, der über den Atlantik schweifen konnte. All die Eindrücke, die man am liebsten festhalten und konservieren würde. Das Gefühl am Ende eines Tages, angekommen zu sein. Der Stolz am Ende all die Kilometer zurückgelegt zu haben. Die Sonnenbrände, Blasen und schmerzende Muskeln überlebt zu haben.

So viel haben wir gesehen. Erlebt. In uns aufgesogen.

Sprachlos.



Frühlingsanfang in England oder „Raindrops keep falling on my head…“
25. Mai 2010, 7:42 pm
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Mein Traum vom englischen Frühling war – man muss es ehrlich sagen – etwas zu optimistisch, aber meiner Meinung nach doch nicht ganz weltfremd. Nette 20°C, Sonnenschein, gelegentlich Regen.

Nach einem gefühlten ewigen Winter hatte ich mich danach gesehnt. Nach Wärme und Sonne gelechzt wie niemals zuvor. Nun…offiziell hätte der Frühling am 20. März beginnen sollen. Bis Anfang letzter Woche hatten wir eher Winter als Frühling. Ja, es gab schon einige Blümchen, die es gewagt hatten, zu wachsen und zu sprießen, aber Nein, Frühling war es nicht. Nach meiner Definition ist Frühling eben nicht, mit Schal herumzulaufen. Der einzige Grund, wieso ich meine Winterjacke nicht anhatte, war wohl die Tatsache, dass sich dieser seit Ende April in Deutschland befindet.

Allerdings, wie ich immer wieder feststellen muss, sind die Engländer immun gegen all das, was bei mir in letzter Zeit eher schlechte Laune und Verdruss verbreitet hat. Selten zuvor habe ich Menschen gesehen, die entweder bei 10°C und strömendem Regen mit Flipflops herumlaufen und dabei noch nicht mal so aussehen, als ob sie frieren würden oder Menschen, die bei eben diesem Wetter kurvenförmig und mit scheinbar hervorragender Laune durch die Wälder fahren und dabei lautstark „Raindrops keep falling on my head…“ singen. Eine Einstellung die ich seit ungefähr neun Monaten versuche mir abzuschauen und anzunehmen. Mit begrenztem Erfolg.

Aber nachdem dieses Wochenende die 20-Grad-Marke auch deutlich überschritten wurde, dachte ich, hätte ich auch nun endgültig keinen Grund mehr, mich nicht von schlechtem Wetter negativ beeinflussen zu lassen und auch keinen Grund, mir diese Attitüde der Engländer anzueignen. Meine Laune ist gestiegen, das gute Wetter hat uns in den letzten Tagen nicht nur einmal hinausgezogen, um ein Abendessen oder ein Sonntagsfrühstück auf wunderschön grünen Wiesen in unserer Umgebung zu verbringen.

Schade nur, dass ab morgen die Temperaturen hier wieder nur knapp über 10°C liegen werden. Aber dann habe ich immerhin wieder die Möglichkeit, etwas von den Engländern zu lernen. Eine neue Chance, dem allem mit einem Lächeln auf den Lippen zu begegnen und mich umso mehr darüber zu freuen, wenn wieder ein paar Tage kommen werden, an denen man auch mit einem T-Shirt draußen nicht frieren muss.



Wahlen in England
13. Mai 2010, 1:27 pm
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In vieler Hinsicht war diese Wahl einzigartig. Etwas überraschend für einen Deutschen an den Wahlen in England ist wohl die Tatsache, dass nicht sonntags gewählt wird, sondern an jedem beliebigen Wochentag, vorwiegend an einem Donnerstag. Die durchaus plausible Erklärung, die man mir für dieses Phänomen gab, ist: Unter der Woche ist jeder Bürger in Großbritannien. Jeder ist fähig zu wählen, da die Wahllokale bis 22.00Uhr offen haben und man auch das gesetzlich festgelegte Recht hat, sich von der Arbeit befreien zu lassen um wählen zu gehen. Wunderbar. Blöd nur, wenn der Andrang auf die Wahllokale genau bei dieser Wahl, die als eine der wichtigsten in der Geschichte des Vereinigten Königreiches gehandelt wird, so groß ist, das bei Schließung der Wahllokale nicht alle dazu fähig waren zu wählen. Das sollte der erste Skandal der diesjährigen Wahl des Unterhauses in England werden. Es ist auch etwas verwunderlich, wenn Wähler an der Tür abgewiesen werden, aufgrund von „Schließungszeiten“ und „zu großem Andrang“, noch verwunderlicher wenn an so manchen Orten, junge Menschen dazu aufgefordert wurden, den älteren Wählern den Vortritt zu lassen.

So weit so gut. Das Wahlergebnis. Überraschenderweise hat die Grüne Partei erstmals Abgeordnete im Unterhaus. Davon abgesehen ist das Wahlergebnis wenig überraschend, auch wenn es nun so einigen Wirbel verursacht. Es gibt keine klare Mehrheit eine der Parteien. David Cameron liegt mit den Konservativen vorne, gefolgt von Gordon Brown und als Schlusslicht Nick Clegg mit seinen Liberaldemokraten, denen jetzt überproportional viel Macht zukommt, da es an ihnen liegt, zu entscheiden, mit welcher anderen Partei sie eine Koalition eingehen. Ein „Hung Parliament“ wie es die Briten nennen gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Vielleicht stellte es alle Beteiligten deswegen vor solch eine große Herausforderung, eine Koalition zu bilden. Laut Wahlrecht hätte nun Gordon Brown, als bis gestern amtierender Premierminister das Anrecht auf den ersten Versuch der Regierungsbildung gehabt, allerdings hat er das Feld den Konservativen überlassen und ist als Premierminister zurückgetreten, wodurch nun David Cameron als solcher hervorgeht. Nach fünf Tagen, die von dem meisten Briten als sehr quälend eingeschätzt wurden, ist auf der Insel wieder alles in Ordnung. Die älteste Demokratie der Welt hat wieder einen Führer. Der Erfolg und auch die Beliebtheit Camerons ist jedoch fraglich. Mit einer größeren Staatsverschuldung als Griechenland, ist die Hauptaufgabe Schuldenabbau. Das wird dem sowieso schon gebeutelten Vereinigten Königreich wohl noch weh tun!



Reisebericht III
29. April 2010, 5:41 pm
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Unsere dritte längere Reise sollte nach Belfast gehen. Ein paar Tage die Stadt und auch die Küste Nordirlands erkunden. Eine wunderbare Idee, wie sich herausstellen sollte. Seltsamerweise klappte unser Hinflug problemlos, so dass wir die ersten Tage in Belfast genießen konnten, mit einer Besichtigung des eindrucksvollen Rathauses sowie der Titanic-Docks, Erkundung der lebhaften Innenstadt und Besuch des wunderschönen Schlosses. Bei wunderbarem Wetter waren wir wirklich fasziniert von dieser Stadt. Gerade von ihrer Gegensätzlichkeit, die wir erleben durften, als wir uns in einige der „Problemviertel“ Belfasts aufgemacht, in denen noch vor wenigen Jahren Protestanen und gegeneinander gekämpft haben. Die Überbleibsel sind sogenannte Murals, Gemälde an Hauswänden, die nicht nur politische Richtung ausdrücken, sondern auch von der großen Gewalt zeugen. Außerdem spürt man eine unangenehme Spannung. Unglücklicherweise fehlte unserem Stadtplan genau der Teil Belfast, so dass wir Schwierigkeiten hatten, wieder aus dem Labyrinth aus Straßen und Mahnmalen herauszufinden. Zugegebenermaßen fühlt man sich nicht sicher. All die wehenden irischen und britischen Fahnen, Brandstellen von Mülleimern, Stacheldraht und große Tore, die nachts verschlossen werden geben einem ein Gefühl von Unwohlsein, von Unsicherheit und Bedrohung, was ich in diesem Ausmaß zuvor noch in keiner Stadt erfahren habe. Erschreckend vor allem, wenn man weiß, dass einerseits vor wenigen Jahren mehr britische Soldaten in Nordirland waren als jetzt in Afghanistan, andererseits nur wenige Straßen weiter eine scheinbar normale Stimmung in der Stadt herrscht. Trotzdem, auch dort sind die Probleme noch deutlich sichtbar. Neue Mülleimer, die erst seit letztem Jahr offiziell in Belfast stehen dürfen, da man hofft, dass nun die Gefahr von Bomben vorüber ist. Trotzdem, alleine während unseres Aufenthalts sind in Nordirland zwei Autobomben in die Luft gegangen. Seltsamerweise von der Öffentlichkeit scheinbar größtenteils unbemerkt.

Den Gegensatz zu dieser Stadt, fanden wir an der Nordküste Irlands. Wilde Natur, Felsen, Schafe und der Atlantik. Eines unserer Ziele war Giant’s Causeway. Um der Sage Glauben zu schenken, gab es vor vielen Jahren zwei Riesen. Einer der beiden sesshaft in Schottland, der andere in Nordirland. Beide mit dem Gedanken, des anderen Territorium zu erobern. Nachdem der nordirische Riese sich heimlich durch das Meer in Richtung Schottland aufgemacht hatte und einen Blick auf den dortigen Riesen erhaschen konnte, kehrte er voller Schrecken zurück. So groß hatte er sich den schottischen Riesen nicht vorgestellt. Verzweifelt fragt er seine Frau um Rat, die ihn in eine Kinderwiege legt. Mit der Intention, Nordirland zu erobern, kommt daraufhin der schottische Riese Nordirland und findet das angebliche Kind in der Wiege. Wie groß muss erst der nordirische Riese sein, wenn schon das Kind so groß ist? Verängstigt kehrt er daraufhin überstürzt nach Schottland zurück, wobei an der nordirischen Küste Felsen abbrechen und in den Atlantik fallen. Eine schöne Geschichte, eine noch schönere Landschaft.

Außerdem habe ich es geschafft, meine Höhenangst zu überwinden und über eine, meiner Meinung nach viel zu großen Seilbrücke zu spazieren. Das lockere Spazieren war bei mir eher ein verkrampftes Hangeln, aber immerhin ich habe es geschafft.

Wäre uns bewusst gewesen, dass sich durch den Ausbruch eines Vulkans und die darauffolgende Flugsperre für das gesamte Vereinigte Königreich, die Länge unseres Urlaubs fast verdoppelt, hätten wir unsere doch sehr durchgeplante Tage etwas entzerren können. Positiv sehen! So hatten wir einige Tage, an denen wir absolut nichts mit uns anzufangen wussten. Dermaßen ruhige Tage hatte ich seit meiner Ankunft in Großbritannien bisher noch nicht.

Also…wunderbarer Urlaub!



Ich hasse große Rauchwolken…
19. April 2010, 10:42 am
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Unter normalen Umständen hätte ich gesagt, das alles ist doch ein riesiges Drama, das im Endeffekt sowieso nur eine Minderheit interessiert. Ich meine, wir haben super Wetter, von Asche nichts zu sehen und auch sonst. Alles ist normal. Wenn man allerdings selbst zu der kleinen Minderheit gehört, die davon betroffen ist, dass – um es genau zu nehmen – der südisländische Vulkan Eyjafjallajoekull, kontinuierlich Asche ausspuckt und damit fast den gesamten europäischen Flugverkehr lahmlegt, nein, dann ist nicht alles normal. Aus einem Kurzurlaub in Belfast, aus dem ich am Samstagmorgen nach London zurückkehren wollte, wurde ein etwas verlängerter Urlaub, der – in Anbetracht der Tatsache, dass mein Flug am Dienstagmorgen wiederum gecancellt wurde – sich doch zu einem durchaus langen Aufenthalt in einer, zugegeben, schönen Stadt verlängert. In der Theorie wäre das kein Problem. Aber wenn man eigentlich heute arbeiten müsste, am Freitag nach Deutschland fliegen will und auch sonst relativ viel zu erledigen hätte, dass man leider aus Belfast nicht machen kann, dann ist es schon ein bisschen störend.

Aber gut, verdrängen wir den Egoismus. Tausende von Menschen in Afrika fürchten um ihren Job. Die Kühlhallen stehen voll mit Obst, Gemüse und Blumen für Europa. Außerdem, unter den 6,8 Millionen Reisenden, die insgesamt betroffen sind, ist mein kleine Wenigkeit wohl relativ unbedeutend. All die Berichte von Menschen, die in fernen Ländern festsitzen, nicht zu Beerdigungen, Hochzeiten oder sonstigen Treffen können, drücken vielleicht etwas zu übetrieben auf die Tränendrüsen, sind aber letztendlich für sich kleinen Dramen. Vielleicht hat das die britische Regierung dazu veranlasst, darüber nachzudenken, die 150 000 gestrandeten Britten mit Hilfe der Royal Navy einzusammeln. Die Sinnhaftigkeit lässt sich nun hinterfragen. Ähnlich wie der Vorschlag Spaniens, die dorten Flughäfen als Ankunfsthalle für alle festsitzenden Urlauber zu nehmen, um sich von dort dann mit Zug, Bus oder Boot weiter zu seinem Heimatland durchzuschlagen.

Auch wir hatten überlegt, mit Fähre und Zug zurück zu kommen, was uns aber nicht nur viele Nerven und eine Gesamtreisezeit von knapp 15 Stunden kosten würde, sondern auch 300 Pfund. Eine kurze Anekdote hierzu: Vier Londoner Geschäftsreisende haben beschlossen, aufgrund der Tatsache, dass alles Fähren überteuert und vor allem auch ausgebucht sind, ein Taxi von Belfast nach London zu nehmen, was sie zusammen 700 Pfund gekostet hat, womit sie nicht nur schneller, sondern auch billiger zurück in London waren.

Nunja…die Schlussfolgerung? Lieber sicher am Boden als unsicher in der Luft. Wobei man auch ehrlich fragen muss: Belfast? Diese Stadt wäre mir unter der Betrachtung des Sicherheitsaspektes wohl auch nicht zu als erstes eingefallen.



Reisebericht II
10. März 2010, 4:59 pm
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Dem Stress entkommen und eine Auszeit nehmen. Das war unser Plan. Er ist zu 100% aufgegangen. Glücklicherweise. Nun, das soll heißen, wir hatten eine Woche Urlaub, den wir in Nordwestengland verbracht haben. Einer Gegend, die dafür bekannt ist, von Arbeitslosigkeit und vor allem einem hässlichen Akzent gebeutelt zu sein. Den Akzent kann man unschwer überhören, wenn man schon im Bus mit seltsamen Wörtern konfrontiert wirt. Man muss sich das so vorstellen. Die Nordengländer haben einen gewissen Hang dazu, viele Wörter so auszusprechen, wie es ein unfähiger, nichtenglischsprechender Deutscher machen würde. Das trifft vor allem auf Wörter wie Pub, funny und up zu. U bleibt U. Und das klingt aus dem Munde eines Engländers richtig beschissen.

Soweit zu der etwas stockenden Konversation mit unseren Nachbarn im Norden.

Wobei, stockende Konversation? Kann man so auch nicht sagen. Schon in unserer ersten Station unserer Reise, in Liverpool, wurden wir in unserem heruntergekommenen Youth Hostel von merkwürdigen Dingen rauchenden Menschen in tiefsinnige Gespräche über die Bauweise deutscher Autos verwickelt. Nach inzwischen einigen Erfahrungen in solch freundlich anmutenden Youth Hostels muss ich sagen, ich mag es. Nirgendwo sonst lernt man solch nette und offene Leute kennen. Aber dazu waren wir eigentlich nicht in Liverpool. Unsere Intention war vielmehr, all das zu sehen, was man in Liverpool sehen kann. Wir haben uns also durch China Town zu den Albert Docks gekämpft. Haben die moderne Innenstadt und den restaurierten Pier bewundert. Sind durch die königliche Konzerthalle und das kulturelle Zentrum mit all den Museen, Gallerien und Bibliotheken gewandelt. Haben die Kathedralen bestaunt und konnten trotz all des Prunks und Glanzes, all der Modernität und dem scheinbaren Reichtum auch die andere Seite Liverpools kennenlernen. Liverpool als vergangene Industriestadt. Wenn man sich von den touristischen Highlights entfernt, entdeckt man die Probleme, mit der die Stadt zu kämpfen hat: Arbeitslosigkeit und Gewalt. Durch den Niedergang der Schifffahrt und dem damit verbunden Verlust des Hafens, hat Liverpool als Industriezentrum deutlich an Wichtigkeit verloren. Ganze Viertel stehen leer. Zeugen der Flucht vor Arbeitslosigkeit und Armut. Wie Geisterstädte, unbewohnt und verlassen.

Liverpool orientiert sich erfolgreich um. Von der Industriestadt, hin zur Kulturstadt. Überall Kunstgallerien, kleine Theater in Hinterhöfen, eine blühende alternative Szene.

Uns trieb es trotzdem weiter. Southport. Eine kleine, typisch englische Badestadt mit nichts außer dem Meer. Aber das hat uns gereicht. Ausgedehnte Spaziergänge, lange Schlafen, gutes Essen und noch bessere Gespräche. Wundervoll. Da kommt einem der Gedanke, ob es nicht besser wäre, genau dort zu wohnen? An einem Ort mit Meer, in einer riesengroßen Wohnung mit toller, moderner Küche. Aber würde ich das wirklich wollen? Nach einem Jahr England nach Deutschland zu kommen und ein Englisch zu sprechen, das keiner verstehen kann? Nein, da wohne ich doch lieber an einem Ort, an dem sich die meisten Menschen selbst als upper class bezeichnen und über diejenigen, die dieser nicht angehören, lästerlich äußern. Wenn man sich das so anhört, klingt das gemein. Aber man muss bedenken. Tunbridge Wells ist der Inbegriff aller Englischhaftigkeit, der stereotype Engländer wohnt und arbeitet hier und vor allem, spricht das südliche Englisch. Nun, zurück zum Thema. Das Problem ist einfach, dass man inzwischen verwöhnt ist. Die trinkenden Kinder, die man überwiegend im Nordwesten Englands sieht, die mit 16 Jahren schwanger sind und spätestens mit 20 merken, dass etwas falsch gelaufen ist. Das ist schockierend. Eine gesamte Generation, die keinerlei Hoffnung hat, keinerlei Perspektive.

Dieses erschreckende Problem lässt sich wahrscheinlich in jeder etwas größeren Stadt im Nordwesten England wiederfinden, somit auch in Preston, der typischen englischen Industriestadt. Preston ist eigentlich hässlich und hat außer einem sehr ausgeprägtem Nachtleben nichts zu bieten. Aber auch hier stand im Vordergrund, Freunde zu besuchen, nicht die Stadt zu bewundern. Ziel erreicht. Es ist seltsam, wie man sich kaum sieht, eine große Entfernung zwischen einem liegt und man doch zusammenwächst, ja geradezu zu Freunden wird.



Stromausfall 2.0
3. März 2010, 7:56 pm
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Stromausfall 2.0

Nachdem im Januar für einige Stunden der Strom ausgefallen ist, haben wir darüber gelacht. Was für eine hochironische Situation, wenn man ins tiefe Mittelalter zurückgeworfen wird, weil einem auf einen Schlag jegliche elektrischen Geräte genommen werden.

Nun ist März. Knapp zwei Monate später. Und was soll ich sagen? Lachen können wir eigentlich nicht. Dienstag Mittag, 14.00Uhr: Die Lichter flackern, die Notstromaggregate springen an. Nun, leider, wie wir später feststellen sollten, bedienen die Notstromaggregate nicht unsere Wohnung. Trotzdem haben wir uns davon die Laune nicht vermiesen lassen. Es ist natürlich, gerade in England zwar eine Schande, wenn du zwei Stunden am Bücher lesen bist, und dazu keinen Tee trinken kannst, aber doch, man kann es überleben. Gegen 17.00Uhr entscheiden wir uns dazu, schon mal vorsorglich ein paar Kerzen und Taschenlampen zusammenzusuchen. Gegen 18.00Uhr müssen wir das Lesen aufgeben. Leider geben Kerzen doch nicht genug Licht. Die nächste sinnvolle Tätigkeit finden wir darin, den Akku unserer Laptops zu verbrauchen. Man muss hinzufügen, dass das Internet nicht geht, da das Netzwerk ebenfalls über Strom läuft. Leider haben auch Laptopakkus eine begrenzte Kapazität, vor allem, wenn man sie nicht aufgeladen hat. Wer rechnet schon damit, dass über vier Stunden der Strom ausfällt? Gegen 19.00Uhr fallen die Notstromaggregate aus. Nicht etwa, dass es unsere konkrete Situation in der Wohnung betroffen hätte, nein, aber es ist doch noch, im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick, wenn man wenigstens irgendwo eine elektrische Lichtquelle sehen kann. In der Hoffnung bei meiner Heimkehr, unsere Wohnung hell erleuchtet zu finden, beschließe ich gegen 20.00Uhr ins Karate zu gehen. Um 22.30Uhr muss ich allerdings feststellen, dass sich an unserer, zu diesem Zeitpunkt doch etwas ärgerlich werdenden Situation nichts geändert hat. Zur Rekapitulation: Kein Strom bedeutet konkret: Kein Licht um irgendwelche Aktivitäten zu machen, kein Strom um irgendetwas zu kochen, keine Akkukapazität des Laptops um irgendwie seine Zeit anderweitig zu vertreiben, keine Chance das Handy zu laden, von dem inzwischen auch der Akku leer ist (Nebenbemerkung: Damit keinerlei Anschluss an die Außenwelt), keine Wärme, da die Heizungen auch ausgefallen sind. Was bleibt uns? Bei wunderschönem Kerzenschein, der allerdings auch immer geringer wird, denn auch Kerzen brenne ab, hochphilosophische Gespräche zu führen und gegen 23.00Uhr zu beschließen, den gesamten Kühlschrank auszuräumen, weil die Außentemperatur inzwischen unter die des Kühlschranks gefallen ist.

Die Kerze auszupusten um schlafen zu gehen. Ein wunderschönes Gefühl.

Wir haben Spaß dabei. Vor allem bei der Vorstellung, dass man festgestellt hat, dass der Defekt der Leitung unter einer Straße ist und somit nicht ganz so leicht zu beheben. Immerhin hat man in einer zweistündigen, nächtlichen Aktion einen übergroßen Generator über die Mauer in unser Schulgeländer gehievt, von dem man sich nun erhofft, dass er uns wenigstens die nächsten paar Tage mit Strom versorgen wird. Wir hoffen!




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